Rückblick: Nach meinem Sieg beim Internationalen Triathlon Portocolom absolvierte ich noch ein letztes Trainingslager in Mallorca, um meinen Grundlagen noch einen letzten Schliff zu verleihen. Nach der langen Verletzungsphase hatte sich gezeigt, dass vor allem diese gelitten hatten und ich für meinen geplanten Höhepunkt dem Ironman Nizza bewusst ruhig trainieren sollte, um auch meinen Stoffwechsel weiter auszubauen. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland hatte ich genug Grundlagen-Kilometer gesammelt, sodass ich langsam mit Intensitäten vor allem beim Radfahren und Laufen beginnen konnte.

Seit Februar gibt es auch eine Neuerung in meiner Trainingsplanung und –steuerung. Gut zwei Jahren wurde ich von Rainer Skutschik aus Bayreuth trainiert und habe vor allem auf dem Rad einen großen Schritt nach vorne gemacht. Zudem durfte ich 2016 mit ihm mein bislang erfolgreichstes Jahr feiern, unter anderem mit dem 4. Platz bei der Ironman EM in Frankfurt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar und möchte mich auch auf diesem Wege nochmals für die schöne Zeit und gute Zusammenarbeit bedanken.
Nach meiner Verletzung habe ich einen Monat lang nach meinen eigenen Plänen trainiert, um erstmal wieder zurück in einen „normalen“ Trainingsrhythmus zu finden und die Einheiten an die Fortschritte meines Körpers anpassen zu können. Anschließend hat Rainer wieder meine Trainingsplanung übernommen und gemeinsam hatten wir die Ziele für die kommende Saison fest im Blick. Doch nach ein paar Wochen merkte ich, dass der eingeschlagene Weg nicht die gewünschten Effekte erzielte und ich mich physisch und psychisch nicht in der Lage sah, diesen Weg weiterzugehen. Mein Körper zeigte mir, dass ich eine Veränderung brauchte um wieder meine alte Leistungsfähigkeit zu erzielen und wieder Spaß am Training zu finden. Zudem sind die Ursachen für meine Verletzungen immer noch nicht zu hundert Prozent geklärt und nicht alle Baustellen behoben, sodass das Training immer wieder angepasst werden muss. Daher habe ich mich entschieden mein Training selbst in die Hand zu nehmen, weil ich meinen Körper wohl am besten kenne und schnell reagieren kann. Natürlich ist es nicht einfach immer genau das richtige Maß für das eigene Training zu finden. Oft will man zu viel oder wenn es hart wird, ist man nicht hart genug zu sich selbst. Doch mittels Gespräche bzw. eines Austauschs mit einigen Personen, denen ich vertraue, habe ich, denke ich, einen guten Weg gefunden zwischen dem richtigen Maß und einer angepassten Härte. Dieser Weg ist ein ganz anderer als ich ihn in den letzten zwei Jahren gegangen bin. So gab es in den ersten Monaten keine bis nur geringen Intensitäten und Qualitäten im Training und ich absolvierte ruhige und längere Einheiten. Körper und Geist reagierten positiv auf den neuen Weg. Langsam lief es wieder und machte Spaß. Mein erstes Rennen in Portocolom bestritt ich weitgehend ohne Tempotraining auf dem Rad oder im Laufen.

 

Seit gut einem Monat finden Intervalle auch wieder Platz in meinem Trainingsplan und vor allem erhält mein Körper die notwendigen Ruhephasen, die er benötigt. Dadurch ist es möglich, mich auf die wichtigen Einheiten zu konzentrieren und dort mein volles Potential auszuschöpfen.

 

Zum Rennen: Die ersten Einheiten gespickt mit Intervallen liefen gut, sodass ich mit einem guten Gefühl und mit Vorfreude zum Rennen nach Aix-en-Provence reiste. Auch wenn es kurzfristig ein paar Veränderungen in der Reiseplanung gab, versuchte ich mich bestmöglich auf das Rennen einzustimmen und mich von den guten letzten Einheiten positiv beeinflussen zu lassen. Dank Marco Sommer hatte ich dann auch die Möglichkeit die Radstrecke mit dem Auto abzufahren, damit ich dann auch wusste was auf mich zukommen würde. Doch ich hatte mir eine schwerere Radstrecke ausgemalt, sodass ich die Strecke eher als flach bezeichnete. Die letzte Wettkampfvorbereitung am Samstag lief auch nach Plan und das Rennen konnte kommen. Leider waren keine guten Wetterbedingungen (10 Grad und Regen) vorausgesagt, doch da ich damit bislang noch keine größeren Probleme hatte, machte ich mir darüber erstmal keine Gedanken. Wetter kann man bekanntlich nicht ändern und ist für alle gleich.

Als um 7:32 Uhr der Startschuss für die Profi-Frauen fiel war es zwar mit ungefähr 10 Grad kalt, aber noch weitgehend trocken. Ich konnte mich nach dem Startschuss in der ersten größeren Verfolgergruppe zwischen Platz 5 und 8 einreihen. Schon da merkte ich, dass mich das Schwimmen an diesem Tag mehr anstrengte als ich es gewohnt bin und ich keine Akzente setzen konnte, um weiter nach vorne zu kommen. „Meine Arme und Beine fühlten sich an wie Blei. Ich sagte mir immer, es ist nur die erste Disziplin, danach kommt deine Stärke und dann hast du sicherlich gute Beine. Doch als ich als 8. Frau nach 1,9 Kilometern aus dem Wasser stieg hatte ich meine Mühe den Weg zu meinem Rad mit dem notwendigen Tempo zu bestreiten um den Anschluss an die anderen Mädels nicht zu verlieren. Ich fühlte mich, als ob ich bereits ein ganzes Rennen hinter mir hatte. Als ich dann auf dem Rad saß änderte sich dieses Gefühl leider nicht. Ich versuchte mir immer zu sagen, dass sind nur die ersten Kilometer danach werden meine Beine aufgehen und ich kann meine anvisierten Werte fahren.“ Doch auch einige Zeit später immer noch das gleiche Gefühl. Selbst an kleineren Anstiegen konnte ich nicht wie gewohnt Druck machen und meine Stärke ausspielen, vielmehr wurde es mehr und mehr zu einem Kampf gegen mich selbst. Zudem kamen auch noch technische Probleme an meiner Bremse hinzu, die die Fahrt erschwerten. Nach der Hälfte des Rennens setzte dann auch noch der angekündigte Regen ein und ich begann zu frieren. Irgendwann wusste ich, dass ich das Rennen heute wohl nicht beenden werde, da der Körper heute einfach nicht in der Lage war Leistung zu bringen und die Gesundheit für mich an erster Stelle steht. Mir schossen viele Gedanken durch den Kopf. „So eine lange Reise, hohe Kosten und nach einem Jahr Verletzung steht man immer unter Druck zu zeigen, dass man noch in der Lage ist Leistung zu bringen. Ich hatte Lust auf das Rennen, wollte vor allem mir selbst beweisen, dass sich der ganze Aufwand, den ich letztes Jahr betrieben hatte um wieder gesund zu werden, gelohnt haben und ich auf einem guten Weg bin.“ Doch so sehr ich es mir auch wünschte, dass der Körper mitspielt, musste ich mich mit dem Gedanken anfreunden, dass Rennen vorzeitig zu beenden. Da ich allerdings keine Möglichkeit sah, auf der Radstrecke auszusteigen versuchte ich trotz zitternden Gliedern und klappernden Zähnen ohne Sturz schnellstmöglich wieder zurück in die Stadt zu kommen. In der Zwischenzeit war der Regen stärker geworden und die Temperaturen Richtung 8 Grad gesunken. Nach gut 3 Stunden hatte ich dann endlich die Wechselzone erreicht und beendete dort mit einem völlig unterkühlten Körper mein Rennen. Das Positive bleibt noch kurz festzuhalten, dass der Ausstieg nichts mit meiner Verletzung zu tun hatte.

 

Mein Glückwunsch geht an alle Finisher, die das Rennen unter diesen Bedingungen durchziehen konnten. Vielen lieben Dank für die vielen lieben Nachrichten im Nachhinein des Rennens.

 

Nach dem Rennen habe ich mir einen Tag Pause gegönnt um einfach etwas Abstand zu bekommen. In den nächsten Tagen werde ich langsam wieder ins Training einsteigen und nochmals ein Blutbild anfertigen lassen um eine mögliche Ursache zu finden. Dann geht mein Blick weiter geradeaus Richtung Ironman 70.3 Kraichgau bzw. zum Ironman Nizza meinem diesjährigen Höhepunkt.