Zu meinem Rennen beim Ironman 70.3 Luxembourg: Nach 27:49 Minuten erreichte ich als Dritte Profi-Dame die erste Wechselzone. Knapp 2 Minuten Rückstand auf die beiden Erstplatzierten. Damit hatte ich gerechnet und mit dieser Leistung war ich sehr zufrieden. Danach sollte die große Unbekannte folgen.

Foto: Marcel Hilger

Die letzte Einheit, einen Tag vor dem Rennen lief sehr gut, sodass ich mit einem guten Gefühl auf die 90 Kilometer lange Radstrecke ging. Die ersten flachen rund 35 Kilometer liefen recht gut. Als eine große Gruppe aus fünf Mädels an mir vorbei gefahren kam, schloss ich mich an und blieb bis zum ersten Anstieg an dieser Gruppe dran. Am ersten Anstieg gab es dann die ersten Attacken und Positionsverschiebungen. Ich fühlte mich gut und konnte mich immer vorne behaupten. Nach rund 50 Kilometern musste ich die Mädels dann ziehen lassen und mein eigenes Rennen fahren. Hier machten sich die fehlenden Radkilometer besonders auf meinem Zeitfahrrad bemerkbar. Mehrmals musste ich meine Aero-Position verlassen und Oberlenker fahren. Im Vorfeld hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass mir hinten raus einige Prozent fehlen könnten, doch als der Moment eintraf, begann mein Kopf zu arbeiten. Ich fiel mental in ein Loch und Gedanken wie „warum tue ich mir das an“ … „muss das noch sein“ … „jetzt noch laufen?“ Nach 2:32 h erreichte ich die zweite Wechselzone auf Platz 9. Im Vorfeld hatte ich mir gesagt, dass ich mit einer Zeit von 2:30 h zufrieden bin. Doch irgendwie war ich enttäuscht, insgeheim hatte ich mir wohl mehr erhofft. Doch ohne viele Kilometer auf dem Zeitfahrrad konnte man sicherlich nicht mehr erwarten.

Foto: Marcel Hilger

Nach dem Radfahren kämpfte ich auf den ersten beiden Kilometern mit Seitenstechen. Doch diese hatte ich schnell im Griff, sodass ich schnell wieder ins Rennen finden konnte. Allerdings schaffte ich es nach dem Radfahren nicht den mentalen Schalter umzulegen und das Laufen als eigenständige Disziplin zu sehen. Ich war in meiner eigenen mentalen Welt gefangen und konnte meine eigentliche Laufleistung nicht abrufen. So trottete ich in meinem Grundlagentempo „vor mich hin“ und zählte die Kilometer runter. Nach 1:37 h und einer gesamten Zeit von 4:41 h erreichte ich als Zehnte Profi-Dame das Ziel.

Foto: Marcel Hilger

„Ein paar Tage nach dem Rennen habe ich das Rennen für mich analysiert und versuche das Positive zu sehen: Gutes Schwimmen und gute erste Hälfte beim Radfahren. Danach hatte ich meinen Kopf einfach nicht im Griff. Ich konnte den Schalter nach dem Radfahren nicht umlegen, um im Laufen Gas zu geben und zu schauen, was schon wieder möglich ist. Stattdessen absolvierte ich meinen Halbmarathon im Grundlagentempo, was mich nicht wirklich groß anstrengte. Nach dem Zieleinlauf war ich erstmal sehr enttäuscht, dass ich mich beim Laufen nicht aufraffen konnte ordentlich Gas zu geben. Erstmal konnte ich mir nicht vorstellen wieder Rennen bestreiten zu wollen. Doch jetzt ein paar Tage danach sieht die Welt wieder anders aus. Ich weiß, dass ich auch jetzt schon wieder mehr draufhabe und das möchte ich auch gerne zeigen. Jetzt heißt es, den mentalen Schalter zu finden und mich beim nächsten Rennen in jeder Disziplin neu zu motivieren.

Foto: Marcel Hilger

Ein Comeback ist wirklich kein leichtes Unterfangen, da man sich, ob man will oder nicht, immer wieder mit alten Leistungen vergleicht und oft ins Grübeln gerät. Jetzt werde ich weiter daran arbeiten, meine kleinen Fortschritte zu sehen und versuchen mit diesen zufrieden zu sein. So kann ich festhalten, dass ich das Rennen ohne Schmerzen in meinem operierten Fuß absolvieren konnte und auch der Oberschenkel so gut wie keine Probleme bereitet hat. Herzlichen Glückwunsch an alle Platzierten und vielen Dank für die guten Wünsche vor und nach dem Rennen und die Anfeuerungen an der Strecke.“