Mein erstes Rennen nach elf Monaten Wettkampfpause und fünf Monaten Training

Erstes Rennen, erster Sieg

Mein erstes Rennen nach elf Monaten Wettkampfpause und mit nur fünf Monaten Training mit einem Sieg zu beenden war natürlich ein Traum. Doch im Vorfeld plagten mich große Zweifel …. hält der Körper?!? … wie geht Triathlon eigentlich nochmal … kannst du überhaupt schon einen Wettkampf bestreiten ohne spezifisches Training für einen Wettkampf?!??! … was passiert beim Laufen?!??! … kein Koppeltraining!!! … immer wieder neue kleine Baustellen, die mein Training unterbrechen …?!?! … dann noch eine Wassertemperatur von unter 15 Grad und eine Außentemperatur von ungefähr 13?!?!? … alles Fragen/Ängste, die mir in der Nacht vor dem Internationalen Triathlon in Portocolom (Mallorca) die Träume raubten und mich nicht schlafen ließen. Selbst am Wettkampftag war ich mir noch nicht sicher, ob ich starten soll, obwohl ich eigentlich kalte Bedingungen mag … doch so kalt?!?!? … nasser Anzug?!?! … nicht krank werden wollen?!??! … mit einem guten Gefühl das Rennen beenden wollen?!?! … Am Ende habe ich mir gesagt, versuche es einfach und mache dein Rennen. Nach einem ersten Wassertest dachte ich, das ist gar nicht so kalt, wie ich es mir vorgestellt habe, also wird es schon gehen.

Auch wenn ich in der letzten Startgruppe gemeinsam mit allen Frauen starten musste konnte ich meinen Rhythmus schnell finden und mich an den anderen Startgruppen orientieren, wo die Strecke verläuft. Nach 14:10 Minuten für 1 km Schwimmen erreichte ich als Zweite Frau die Wechselzone.

Bild von Harald Engelbrecht (tri2b)

Zu Beginn der Radstrecke ging es gleich einen langen Anstieg hoch, sodass mir relativ schnell warm wurde und ich viele Männer einholen konnte. Nach wenigen Kilometern hatte ich auch die erste Frau gestellt und fuhr mein eigenes Rennen gegen die Männer, ganz alleine nach meinem Gefühl. Meine Wattwerte ignorierte ich … einfach auf meinen Körper hören … Spaß haben … einfach das Gefühl entscheiden lassen, wie schnell ich fahre … Die Beine waren gut und es machte Spaß, die Männer zu überholen und die vielen Anstiege zu erklimmen. Insgesamt musste zweimal der Puig San Salvador gemeistert werden (je 5 km mit 450 HM). Innerlich wollte ich hier am meisten Gas geben um hier möglichst viel Vorsprung auf meine Konkurrentinnen herauszufahren. Ich kannte keinen Vorsprung, ich kannte nur meine Ernährung, die ich vorher mit meiner Ernährungswissenschaftlerin Dr. Katrin Stücher abgesprochen hatte und mein Gefühl. In der zweiten Runde spürte ich natürlich die vielen Höhenmeter, aber ich hatte immer genügend Druck in den Beinen. So langsam kam nun der Kopf ins Spiel, auch wenn ich versuchte die Gedanken bei Seite zu schieben … was passiert beim Laufen?!? … hält die Hüfte?!? … hält der Fuß?!? … kannst du überhaupt nach dem Radfahren laufen?!?! … alles Gedanken, die man natürlich nicht haben sollte, doch sie kamen und ich versuchte sie zu verdrängen und mich auf mich zu konzentrieren.

Bild von Harald Engelbrecht (tri2b)

Nach dem ich mein Rad nach 3:16 Std. und 100 km und 1570 Höhenmetern abgestellt hatte lief ich los und zum Glück fühlte es sich rund an. Ich fand meinen Rhythmus, hatte keine Schmerzen in der Hüfte und der Fuß war soweit auch in Ordnung. Jetzt sauber laufen, Verpflegung beachten und auf das Gefühl hören. Keine Zeit im Kopf, keine Uhr am Handgelenk … einfach laufen, bis die Strecke zu Ende ist. Am Wendepunkt sah ich dann, wie groß mein Vorsprung war. Doch ohne Uhr am Handgelenk konnte ich die Zeit nicht einschätzen. Ich wusste, viel ist es nicht und die Zweitplatzierte Elisabeth Gruber und Jenny Schulz kommen näher. Nur nicht verrückt machen lassen, laufe dein Rennen, egal was passiert. Als es dann nur noch drei Kilometer bis zum Ziel waren versuchte ich nochmal die Geschwindigkeit zu erhöhen um den Sieg ins Ziel retten zu können. Am Ende reichte es tatsächlich und ich durfte mich nach 4:16:30 h Stunden über meinen ersten Sieg nach einem sehr schweren Jahr freuen.

Ich bin sehr sehr glücklich, dass es besser gelaufen ist als ich erwartet habe. Ein erster Test, der mir gezeigt hat, der Körper hält und an welchen Stellschrauben nun noch gedreht werden muss um beim Ironman Nizza ein hoffentlich gutes Ergebnis erzielen zu können.

Hiermit möchte ich nochmals allen Personen danken, die immer für mich da waren … meine Laune ertragen mussten … immer ein offenes Ohr für mich hatten … immer an mich geglaubt haben … mir Trost geschenkt haben, wenn wieder ein Rückschlag kam … mir Ablenkung geschenkt haben, wenn ich sie gebraucht habe … mich bei Trainingseinheiten begleitet und angetrieben haben … und einfach da waren, wenn ich sie gebraucht habe.

Zudem an meine Sponsoren und Partner, die mich nach diesem Jahr weiter unterstützen und mir den Rücken stärken. Abschließend allen, die mir mit ihren Nachrichten Glückwünsche und liebe Worte entgegengebracht haben.

Zudem gilt mein Glückwunsch Elisabeth Gruber und Jenny Schulz für den zweiten und dritten Platz.

Nach dem Rennen durfte ich Harald Engelbrecht für Tri2b.com ein Interview geben: Ich bin einfach nur geschwommen, gefahren und gelaufen

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