Sechste beim Ironman 70.3 Kraichgau

Rückblick

Nach meiner Rückkehr aus Frankreich vom Ironman 70.3 Aix-en-Provence habe ich erstmal ein Blutbild anfertigen zu lassen um mögliche Lösungen für die Kraftlosigkeit während des Rennens zu erhalten. Ich hatte mir wohl im Vorfeld einen Infekt eingefangen, der es nicht möglich machte, meine Leistungen an diesem Tag abzurufen. Hinzu kamen dann noch die extremen Temperaturen mit 8 Grad und Regen, wodurch ich am Ende noch eine starke Unterkühlung auf dem Rad erlitt und das Rennen vorzeitig beendete. Eine Woche hatte ich mit den Auswirkungen des Infektes und der Unterkühlung noch zu kämpfen, bevor ich das Training wiederaufnehmen konnte. Danach lief das Training sehr gut. Der Fokus lag weiterhin auf langen Einheiten gespickt mit ein paar intensiveren Abschnitten. Eine Woche vor dem Ironman 70.3 Kraichgau merkte ich plötzlich Schmerzen in meinem Oberschenkel, konnte das Training aber dennoch weitgehend durchziehen. Meine Therapeuten gaben ihr Bestes um das Problem in den Griff zu bekommen.

 

Das Rennen

Die letzten Einheiten vor dem Rennen in Kraichgau verliefen gut und weitgehend schmerzfrei. Um 9:05 Uhr fiel der Startschuss für die Profi-Frauen. Schon beim Reinlaufen ins Wasser spürte ich einen ordentlichen Schmerz im Oberschenkel, wodurch ich keine gute Ausgangsposition zu Beginn des Rennens einnehmen konnte. Doch ich fühlte mich gut und konnte am Feld vorbeischwimmen und mich in der ersten Gruppe festsetzen. Kurz vor Ende des Schwimmausstiegs übernahm ich die Führung der Gruppe und konnte so nach 28‘29 Minuten als Zweite das Wasser verlassen. Nach einem nicht ganz optimalen Wechsel saß ich schließlich als vierte auf meinem Rad.

Doch schon ab dem ersten Meter machten mir die Schmerzen in meinem Oberschenkel und später auch im Gesäß das Radfahren zur reinsten Qual. Ich konnte weder in der Ebene noch am Berg ordentlich Druck auf das Pedal bringen, wodurch meine Geschwindigkeit immer langsamer wurde. Innerlich kämpfte ich wiedermal einen Kampf gegen meinen Kopf und Körper, doch an diesem Tag hatte ich mir als oberstes Ziel vorgenommen, das Rennen zu Ende zu bringen. So wurde das Radfahren eher zu einer Trainingsfahrt um keine größeren Risiken bezüglich des Oberschenkels einzugehen. Nach 2:41‘38 Minuten erreichte ich die zweite Wechselzone als Siebte und versuchte nicht mehr an die Schmerzen beim Radfahren zu denken. Der Wechsel zum Laufen klappte ohne größere Probleme. Schon die ersten Meter fühlten sich nach langer Zeit mal wieder nach Laufen an und die Körperposition war stabil und aufrecht.

Obwohl ich meine Uhr an diesem Tag angezogen hatte vertraute ich auf mein Gefühl und die Zurufe meines Betreuerteams. Schon nach wenigen Kilometern konnte ich mich auf den sechsten Platz vorarbeiten und meinen Schritt weiterziehen. Erst ab Kilometer 16 wurde das Laufen härter und die Schmerzen im Oberschenkel kehrten langsam zurück. Doch ich konnte mein Tempo weitgehend aufrechterhalten und mit einer Zeit von 1:31‘07 Minuten für den abschließenden Halbmarathon und einer Gesamtzeit von 4:44‘53 Minuten als Sechste Frau ins Ziel einlaufen.

„Im Moment scheint der schwarze Faden einfach nicht abreißen zu wollen und mich weiterhin auf eine Probe zu stellen. Natürlich ist es mental gerade nicht sehr einfach, wenn immer wieder neue Probleme auftreten und man nicht so agieren kann, wie man gerne möchte. Hierfür danke ich ganz besonders meiner Familie und meinen engsten Freunden, die immer ein offenes Ohr für mich haben und mir immer wieder neuen Mut zusprechen positiv zu bleiben und den Weg weiterzugehen, auch wenn er weiterhin sehr steinig ist. Ich versuche das Positive aus dem Rennen in Kraichgau zu ziehen. Das Schwimmen lief deutlich besser, als ich gedacht habe und hat richtig Spaß gemacht. Das Radfahren war ein Kampf gegen meine Schmerzen und meinen Kopf, das Rennen nicht vorzeitig zu beenden. Wenn ich nur annähernd meine Trainingswerte hätte bringen können, wäre ich deutlich schneller unterwegs gewesen, als dies am Sonntag der Fall war. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert.

Mit meinem Laufsplit bin ich sehr zufrieden. Ich konnte vom ersten Meter an meinen Rhythmus finden und auf eine gute Technik zurückgreifen. Schwimmen und Laufen stimmt mich nun für die verbleibenden drei Wochen bis zum Ironman Nizza sehr zuversichtlich. Wenn die Schmerzen in meinem Gesäß und Oberschenkel bis dahin verschwinden, sollte ich auch auf dem Rad eine gute Leistung bringen können.“

Nach dem Rennen in Kraichgau standen erstmal einige Arzttermine in München und Völklingen auf meinem Programm um die Schmerzen abklären zu können und hoffentlich endlich die Lösung für die Probleme zu finden. Nach dem die Ärzte ihr Ok gegeben haben, werde ich versuchen die verbleibenden Tage bestmöglich zu nutzen um in drei Wochen mit einem guten Gefühl am Start des Ironman Nizzas stehen zu können.

 

Mein Glückwunsch geht an die drei Erstplatzierten Laura Philipp, Daniela Sämmler und Yvonne von Vlerken.

Mein großer Dank gilt erstmal allen Helfern, die bei den heißen Temperaturen einen super Job gemacht und stets gut gelaunt waren, meinen Sponsoren und Partnern, die mir auf meinem Weg zurück ihre bestmögliche Unterstützung geben, zudem allen, die mich an der Strecke lautstark angefeuert und angetrieben haben und zu guter Letzt meinem ganz besonderen Betreuerteam (meine Eltern und Stephan + Claudi), die mir Kraft gegeben haben, das Rennen durchzuziehen und an mich zu glauben.

 

2 thoughts on “Sechste beim Ironman 70.3 Kraichgau

  1. Jürgen Zeiler

    Toll gekämpft! Glückwunsch zum Ergebnis und viel Erfolg – hinsichtlich vollständiger Genesung und beim Erreichen künftiger sportlicher Ziele.

    Sehr schöner, interessant geschriebener Beitrag.

  2. Achim

    Wichtig ist das Du angekommen bist. Tut dem Kopf sehr gut und der 6. Platz ist doch super. Es zählt nicht immer das Treppchen. Weiter so.
    Liebe Grüße
    Achim

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